Unser Jahresbericht – Monat für Monat im Rückblick
Auf dieser Seite finden Sie unseren Jahresbericht, der die Entwicklungen und Ereignisse des vergangenen Jahres in monatlichen Abschnitten zusammenfasst. Er bietet Ihnen einen detaillierten Rückblick auf die wichtigsten Meilensteine, Herausforderungen und Erfolge.
Erste AGZ-Collegium-Fortbildung: Psychiatrie in der Hausarztpraxis
Am 17. Januar 2025 fand die erste Fortbildung des neu gegründeten Fortbildungsprogramms AGZ Collegium statt. Rund 70 Teilnehmende erhielten unter der Moderation von Prof. Dr. med. Erich Seifritz und Dr. med. Maya Spillmann praxisnahe Einblicke in den Umgang mit psychiatrischen Erkrankungen in der Hausarztpraxis.
Ein Schwerpunkt lag auf der frühen Erkennung psychischer Störungen. Prof. Dr. med. Dieter F. Braus betonte die zentrale Rolle der Hausärztinnen und Hausärzte und ging insbesondere auf Zwangsstörungen ein, bei denen gezieltes Nachfragen entscheidend ist. Verhaltenstherapie gilt als Therapie der ersten Wahl, ergänzt durch SSRIs in schweren Fällen.
Weitere Themen waren Sucht (PD Dr. med. Patrik Roser), Depression und Angst (PD Dr. med. Michael Colla) sowie strukturierte Krisenintervention bei suizidalen Patientinnen und Patienten (Prof. Dr. Sebastian Olbrich).
Auch komplexe Krankheitsbilder wie Demenz (Dr. med. Dan Georgescu), Schlafstörungen und deren medikamentöse Behandlung (PD Dr. med. Steffi Weidt) sowie Schizophrenie (Prof. Dr. med. Philipp Homan) wurden behandelt. Ergänzend wurden rechtliche Aspekte akuter Krisen, Geschlechtervarianz in der Grundversorgung und schwierige Arzt-Patienten-Dynamiken thematisiert.
Fazit: Die Fortbildung überzeugte durch hohen Praxisbezug und konkrete Handlungsempfehlungen für den hausärztlichen Alltag.
2025 standen noch vier weitere Fortbildungen auf dem Programm zu den Themen:
- Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten
- Hausbesuche
- Neurologie
- Häufige Symptome in der Hausarztpraxis
Das Ziel von AGZ Collegium ist es, qualitativ hochwertige Fortbildungen von und für Ärztinnen und Ärzte zu organisieren. Die Fortbildungsveranstaltungen können von allen in der Schweiz praktizierenden Ärztinnen und Ärzten besucht werden.
Historische Tarif-Entscheide des AGZ Vorstands
Nach der Kündigung des Taxpunktwertes durch die AGZ galt seit dem 1. Januar 2018 weiterhin ein Provisorium auf dem seit 2008 eingefrorenen Niveau von CHF 0.89.
Ende 2024 konnte mit der HSK (Einkaufsgemeinschaft der Versicherer Helsana, Sanitas und KPT) sowie der CSS ein Vergleich erzielt werden, der von der Delegiertenversammlung am 11. November 2024 genehmigt worden war. Gleichzeitig ermächtigte die Delegiertenversammlung den Vorstand, auf Basis dieses Vergleichs entsprechende Verträge abzuschliessen.
Die Vertragsverhandlungen zur Umsetzung konnten im Januar 2025 erfolgreich abgeschlossen werden. In der Folge fasste der Vorstand der AGZ an seiner Sitzung vom 5. Februar 2025 „historische Beschlüsse“:
- Genehmigung neuer Tarifverträge mit der HSK und der CSS
- Verzicht auf eine rückwirkende Erhöhung des Taxpunktwertes für die Jahre 2018 bis 2023
- Definitive Festlegung des bisherigen Provisoriums für diesen Zeitraum
Ab dem 1. Januar 2024 erfolgte damit die lange als kaum realisierbar angesehene Erhöhung des Zürcher Taxpunktwertes um 2 Rappen auf CHF 0.91. Diese galt für Patientinnen und Patienten, die bei den HSK-Versicherern oder der CSS versichert sind.
Zudem wurde vereinbart:
- Der neue Taxpunktwert (CHF 0.91) wird für alle Leistungen mit Behandlungsdatum im Jahr 2025 angewendet.
- Die Abrechnungsbeträge für Leistungen aus dem Jahr 2024 werden gemäss einer separaten Vereinbarung rückwirkend angepasst.
- Die entsprechenden Nachzahlungen an die Ärztinnen und Ärzte erfolgen bis Ende 2025.
Studie zum MPA-Mangel in den Arztpraxen
Für Arztpraxen im Kanton Zürich wird es immer schwieriger, medizinische Praxisassistentinnen und -assistenten (MPA) zu finden – trotz steigender Ausbildungszahlen. Eine am 5.3.2025 mit einem Kick-off-Meeting lancierte Studie des Forschungsinstituts INFRAS im Auftrag der AGZ zeigt Ausmass, Ursachen und Lösungsansätze des Fachkräftemangels.
Rund 12 MPA pro 100 Ärzte fehlen im Kanton Zürich. Hochgerechnet entspricht das etwa 440 unbesetzten Vollzeitstellen. Bereits 61 % der Praxen haben laut Studie Schwierigkeiten bei der Rekrutierung.
Die Gründe sind vielfältig: steigende Patientenzahlen, höhere Anforderungen und mehr delegierte Aufgaben erhöhen den Bedarf. Gleichzeitig reicht das Angebot trotz wachsender Ausbildungszahlen nicht aus. Zwar ist das Interesse an der Ausbildung hoch, doch nur etwa die Hälfte der Praxen bietet Lehrstellen an.
Hinzu kommt eine hohe Ausstiegsquote: Rund ein Viertel der ausgebildeten MPA verlässt den Beruf frühzeitig. Hauptgründe sind begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten, tiefe Löhne und mangelnde Wertschätzung. Für viele wird die Ausbildung zum Sprungbrett für weitere Bildungswege.
Die Studie zeigt auch, dass neben fairer Bezahlung vor allem Wertschätzung, Mitsprache und ein gutes Arbeitsklima entscheidend sind, damit MPA im Beruf bleiben. Auch das Image spielt eine Rolle: Die Bezeichnung „Assistenz“ wird oft unterschätzt und könnte Interessierte abschrecken.
Ein grundsätzlicher Mangel an Kompetenzen besteht nicht – MPA sind gut ausgebildet. Allerdings sollten soziale, organisatorische und kommunikative Fähigkeiten künftig stärker gewichtet werden. Zudem bleiben vorhandene Kompetenzen teilweise ungenutzt, etwa weil gewisse Leistungen nicht abrechenbar sind.
Als Lösungsansätze nennt die Studie drei zentrale Punkte: die Senkung der Ausstiegsquote, die Schaffung zusätzlicher Lehrstellen sowie die Aufwertung des Berufsbilds. Diskutiert wird auch eine verkürzte Ausbildung („light“), die insbesondere für Sek-B-Abgänger attraktiv sein könnte.
Michael Andor gibt Rücktritt aus dem AGZ-Vorstand bekannt
Seit 2018 hat Michael Andor als Vorstandsmitglied und Vizepräsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich AGZ die Gesundheitspolitik im Kanton stark mitgeprägt. Der Rheumatologe mit eigener Praxis engagierte sich besonders für tarifpolitische Themen – ein Bereich, der innerhalb der Ärzteschaft intensiv diskutiert wird.
2024 folgte ein wichtiger Schritt: Andor wurde in den Zentralvorstand der FMH gewählt – mit einem hervorragenden Resultat. Mit dieser neuen Rolle wuchs jedoch auch die Arbeitsbelastung. Aufgrund der nationalen Verpflichtungen und des zusätzlichen Zeitaufwands entschied er sich, sein Amt im AGZ-Vorstand niederzulegen, um sich ganz auf die FMH zu konzentrieren.
Das war ursprünglich nicht so geplant. Michael Andor hatte sich eigentlich eine engere Zusammenarbeit zwischen kantonaler und nationaler Ebene gewünscht, gerade im Tarifbereich mit seinen vielen Schnittstellen. Letztlich zeigte sich aber: Die Kombination aus Praxis, kantonalem und nationalem Engagement war zeitlich nicht dauerhaft machbar. Der Austausch zwischen den Ebenen bleibt dennoch gewährleistet.
Ein wichtiger Erfolg seiner Arbeit war die Erhöhung des Taxpunktwerts im Kanton Zürich auf 91 Rappen, kommuniziert Ende 2024 und im Frühjahr 2025. Dieser Fortschritt war das Ergebnis eines langen Prozesses. Andor betont, dass tarifpolitische Themen Geduld brauchen und oft über Jahre hinweg entwickelt werden. Gleichzeitig müsse man künftig schneller reagieren können – gerade angesichts steigenden Kostendrucks.
Entscheidend dabei sind gute Daten. Zürich nimmt hier eine Vorreiterrolle ein: Die Ärzteschaft hat früh erkannt, wie wichtig belastbare Zahlen für erfolgreiche Verhandlungen sind.
Was trocken klingt, ist in Wirklichkeit ein emotionales Thema. Für Andor steht fest: Tarife sind auch eine Frage der Wertschätzung ärztlicher Arbeit. Viele Ärztinnen und Ärzte leisten enorm viel – oft auf Kosten ihrer Freizeit. Entsprechend gross ist das Interesse am Thema.
Mit seinem Wechsel zur FMH hat sich Andors Wirkungsfeld erweitert. Sein Ziel bleibt aber gleich: Er möchte dazu beitragen, dass der Arztberuf auch künftig attraktiv und erfüllend bleibt.
Neumitgliederabend vom 15. Mai 2025
Der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich (AGZ) ist es ein besonderes Anliegen, ihre neuen Mitglieder nicht nur formell aufzunehmen, sondern sie auch persönlich kennenzulernen und willkommen zu heissen. Aus diesem Grund organisiert die AGZ zweimal jährlich einen speziellen Begrüssungsanlass für neu beigetretene Ärztinnen und Ärzte. Diese Veranstaltungen finden in der Regel in den Räumlichkeiten der AGZ an der Nordstrasse 15 in Zürich statt und bieten den Teilnehmenden die Möglichkeit, einen ersten direkten Einblick in die Organisation zu erhalten.
Die gute Stimmung und das überaus positive Feedback der rund 50 anwesenden neuen Mitglieder beim Neumitgliederabend vom vom 15. Mai 2025, zeigte einmal mehr, wie wertvoll der persönliche Austausch im Rahmen dieser Veranstaltung ist. Neben der rund einstündigen Einführung in die AGZ stand insbesondere die Vernetzung im Vordergrund. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, um Fragen direkt an die anwesenden Vorstandsmitglieder und Mitarbeitenden zu richten und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Drei Jahre AGZ-Führungskurse
Die Fortbildungsreihe „Führung – Motivation – Leistungsfähigkeit“ der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich AGZ ging 2025 in ihr drittes Jahr. Mit diesem Angebot richtet sich die AGZ gezielt an Ärztinnen und Ärzte, die Führungsverantwortung übernehmen oder sich darauf vorbereiten möchten. Der Einstieg erfolgte, wie schon die beiden Jahre zuvor, durch ein Basismodul, das im Juni als Webinar durchgeführt wurde.
Die Kurse sind vom Schweizerischen Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung SIWF im Rahmen der erweiterten Fortbildung anerkannt und mit entsprechenden Credits versehen.
Basismodul als Webinar
Den Auftakt bildete am 12. Juni 2025 das Basismodul „Führung – Motivation – Leistungsfähigkeit“, das als kompaktes Webinar durchgeführt wird.
Im Zentrum der Veranstaltung stands das Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Führung, Gesundheit und Motivation. Teilnehmende erhalten eine Einführung in die Grundlagen einer mitarbeitendenorientierten und motivierenden Führung. Besonderes Augenmerk lag auf den Faktoren, die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft beeinflussen, sowie auf den konkreten Möglichkeiten von Ärztinnen und Ärzten, diese aktiv zu gestalten.
Neben theoretischen Impulsen wurden praxisnahe Ansätze für den Führungsalltag vermittelt. Dabei wurden sowohl Aspekte der Arbeitsorganisation als auch das Führungsverhalten im direkten Austausch mit Mitarbeitenden behandelt.
Zielgruppe und Rahmenbedingungen
Das Angebot richtet sich insbesondere an AGZ-Mitglieder, die eine Praxis führen oder Mitarbeitende verantworten. Ebenso eignet sich das Basismodul für Personen, die sich auf eine zukünftige Führungsrolle vorbereiten möchten
Vertiefungsmodule im Herbst
Für alle, die ihr Wissen weiter ausbauen wollten, wurden im Herbst 2025 drei Vertiefungsmodule angeboten. Diese fanden im September sowie Ende Oktober als Präsenzseminare statt und waren auf jeweils 20 Teilnehmende begrenzt.
Besuch in der Villa Flora in Winterthur
Am 19. Juni 2025 trafen sich rund 30 Chargierte der AGZ in Winterthur zur alle zwei Jahre stattfindenden Landsitzung, die diesmal von der Ärztegesellschaft Winterthur Andelfingen AWA organisiert wurde. Ziel der Veranstaltung war die Villa Flora, ein bedeutendes kulturelles Kleinod und Teil des Kunstmuseums Winterthur.
Das ehemalige Wohnhaus des Sammlerehepaars Hedy und Arthur Hahnloser-Bühler beherbergt eine hochkarätige Sammlung moderner Kunst mit Werken von Künstlern wie Bonnard, Vallotton, Matisse, Hodler und Giacometti. Die besondere Atmosphäre des Hauses, in dem Kunst einst gelebt wurde, beeindruckte die Teilnehmenden ebenso wie die sorgfältige Präsentation der Werke.
Nach einer fachkundigen Führung in zwei Gruppen begaben sich die Teilnehmenden zu Fuss ins Restaurant Bloom, wo der offizielle Teil mit einer kurzen Ansprache des AWA-Präsidenten Dr. med. Dominic Müller stattfand. Bei sommerlichem Wetter genossen die Anwesenden anschliessend Apéro und Abendessen im Garten, begleitet von angeregten Gesprächen.
Der gelungene Anlass verband Kunstgenuss und geselliges Beisammensein und weckte bei vielen den Wunsch nach einer erneuten Rückkehr nach Winterthur.
Neue AGZ-TARDOC-Webinare
Der Wechsel vom bisherigen TARMED zum neuen Tarifmodell TARDOC sowie zu Ambulanten Pauschalen steht kurz bevor und betrifft sämtliche Arztpraxen und Spitäler. Entsprechend hoch ist der Informationsbedarf innerhalb der Ärzteschaft.
Die AGZ reagiert darauf mit einer Webinar-Reihe für ihre Mitglieder, durchgeführt gemeinsam mit Patrick Müller, Mitentwickler von TARDOC. Während die Umstellung für erfahrene TARMED-Anwendende vergleichsweise einfach ist, sorgen insbesondere die Ambulanten Pauschalen für Unsicherheit. Diese erlauben keine zusätzliche Verrechnung weiterer Leistungen, Materialien oder Untersuchungen am selben Tag.
Aktuell prüfen die Tarifpartner Anpassungen in mehreren Bereichen, darunter Notfallleistungen, Tumortherapien sowie Wundversorgung und Pathologie. Letzteres ist besonders relevant: Künftig sollen pathologische Leistungen ausserhalb der Pauschalen abrechenbar sein, sofern ein entsprechender Bundesratsentscheid erfolgt. Dieser wird im Spätherbst erwartet.
Die ersten drei Webinare vom 3. Juli, 10. September und 22. Oktober 2025 verzeichneten grosses Interesse mit jeweils bis zu 550 Teilnehmenden. Vermittelt wurden Grundlagen, Abrechnungsvoraussetzungen sowie zentrale Neuerungen. Die Inhalte richten sich bewusst an alle Fachgebiete.
In der Fragerunde zeigte sich die Komplexität des neuen Systems, insbesondere bei der Vergütung innerhalb der Ambulanten Pauschalen. Hier sind individuelle Vereinbarungen zwischen Leistungserbringern notwendig.
WZW-Seminar der AGZ stosst auf grosses Interesse
Am 28. August 2025 lud die AGZ erneut zum traditionellen WZW-Seminar ins USZ ein. Rund 200 Mitglieder folgten der Einladung und hörten aufmerksam den Ausführungen von Dr. phil. Juerg B. Reust zu.
Im Fokus stand die Wirtschaftlichkeitsprüfung im Schweizer Gesundheitswesen gemäss KVG. Dabei wurde klar: Leistungen werden von der OKP nur übernommen, wenn sie wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich WZW sind – wobei in der Praxis vor allem die Wirtschaftlichkeit im Mittelpunkt steht.
Ein wichtiges Thema war die Einzelrechnungsprüfung. Dabei werden Rechnungen systematisch auf Fehler oder unzulässige Abrechnungen geprüft, etwa hinsichtlich Limitationen, korrekter KVG-Leistungen, fachlicher Qualifikation, Medikamenteneinsatz oder Kostengutsprachen. Besonders wichtig: Wenn nichts beanstandet wird, heisst das nicht automatisch, dass alles wirtschaftlich ist – Rückforderungen können auch später noch kommen.
Ein weiterer Schwerpunkt waren die Wirtschaftlichkeitsverfahren. Zuerst erfolgt ein statistisches Screening, um Leistungserbringer mit überdurchschnittlich hohen Kosten zu identifizieren. Auffällige Fälle werden anschliessend genauer geprüft. Diese Verfahren werden u. a. von der tarifsuisse AG im Auftrag von santésuisse und curafutura durchgeführt.
Auch das Tarifcontrolling wurde thematisiert. Hier werden über längere Zeit mehrere Rechnungen analysiert, um systematische Fehler oder Auffälligkeiten zu entdecken. Neben tarifsuisse führen zunehmend auch grosse Versicherer wie CSS, Helsana oder Groupe Mutuel solche Kontrollen selbst durch.
Fazit des Kurses: Es gibt verschiedene Prüfmechanismen, und selbst formal korrekte Abrechnungen bieten keinen vollständigen Schutz vor späteren Rückforderungen. Weiterführende Merkblätter wurden ebenfalls vorgestellt.
Zum Abschluss nahm sich Juerg B. Reust Zeit für persönliche Fragen – bevor der Anlass gemütlich beim Apéro ausklang.
AGZ geht online mit neuer Webseite
In der im September erschienenen Zürcher Ärztezeitung 3/2025 konnten wir über das erfolgreiche Go-Live der neuen AGZ-Website informieren. Die neue Webseite erhielt einen klar strukturierten, modernen Look. Mitglieder können sich barrierefrei sowohl im öffentlichen Bereich als auch im passwortgeschützten Teil bewegen.
Nebst den technischen Herausforderungen, die wir im Relaunch der Website gemeinsam mit der Firma MD Systems angingen, mussten wir klären, welche Inhalte Mitgliedern und Öffentlichkeit zur Verfügung stehen sollen: Welche Informationen sind relevant, was ist veraltet und welche Dokumente sollen zugänglich sein? In mehreren Workshops wuchs schrittweise die Sitemap, bis klar war: Die Website deckt die für den Praxisalltag wichtigen Inhalte ab.
Für Ärztinnen und Ärzte
Im Fokus steht der Nutzen für die Mitglieder. Auf der Seite «Für Ärztinnen und Ärzte» finden sie praxisnahe Informationen von der Gründung bis zur Übergabe. Auch angestellte Ärztinnen und Ärzte werden berücksichtigt. Die Dienstleistungen der AGZ sind übersichtlich dargestellt, ebenso das Angebot «Recht & Beratung», das vielen Mitgliedern zuvor nicht bekannt war.
Besonderes Gewicht legten wir auf das Thema Arzttarife. Die Seite «Tarife und Daten» informiert über TARMED, TARDOC und ambulante Pauschalen. Ergänzend finden sich im Mitgliederbereich Hinweise zu WZW-Verfahren und Tarifcontrolling.
Notfalldienst und MPA
Auch der Notfalldienst ist umfassend abgebildet – von organisatorischen Grundlagen bis zu häufigen Fragen. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Ausbildung von Medizinischen Praxisassistentinnen (MPA). Die Website soll helfen, diesem Mangel entgegenzuwirken, indem sie über Berufsbild, Ausbildung und Unterstützungsmöglichkeiten informiert.
Kurs- und Eventsanmeldungen
Eine weitere Herausforderung war die Integration von Event- und Newsletter-Tools. Seit dem Go-Live können sich Mitglieder direkt über die Website für Kurse und Veranstaltungen anmelden – ohne Weiterleitung auf externe Seiten. Auch die Newsletter sind neu klar strukturiert. Schnittstellen zum CRM-System sollen Abläufe vereinfachen und die Geschäftsstelle entlasten.
Mitgliederversammlung mit neuem Teilnehmer-Rekord
Die Mitgliederversammlung der AGZ vom 2. Oktober 2025 zeigte eindrücklich, dass dieser Anlass weit mehr ist als ein gewöhnliches Vereinstreffen. Mit rund 300 Teilnehmenden wurde ein neuer Rekord erreicht. Der Abend bot eine gelungene Mischung aus standespolitischen Themen, spannenden wissenschaftlichen Impulsen und viel Gelegenheit zum Austausch.
Ein Highlight war der Vortrag der Bestsellerautoren Carel van Schaik und Kai Michel. Unter dem Titel «Seuchen, Geburtsschmerzen, Depressionen: Was Sie schon immer über die Evolution wissen wollten», nahmen sie das Publikum mit auf eine Reise durch die Menschheitsgeschichte. Sie erklärten, wie sich viele heutige Herausforderungen – etwa Krankheiten, soziale Ungleichheit oder Konflikte – aus dem Übergang von der Jäger-und-Sammler-Gesellschaft zur sesshaften Lebensweise erklären lassen. Auch die Rolle der Frau ordneten sie in diesen Kontext ein. Ihr Fazit: Das Gefühl, dass mit der modernen Welt «etwas nicht stimmt», kommt nicht von ungefähr – vieles davon ist kulturell bedingt und damit auch veränderbar. Der Vortrag stiess auf grosses Interesse und sorgte für lebhafte Diskussionen, die sich beim Dinner fortsetzten.
Neben den wissenschaftlichen Inputs war die Standespolitik ein zentraler Programmpunkt. AGZ-Präsident Tobias Burkhardt blickte auf das vergangene Jahr zurück, wobei besonders die Tarifsituation im ambulanten Bereich im Fokus stand. Nach rund 20 Jahren Verhandlungen konnte der Taxpunktwert auf CHF 0.91 erhöht werden – rückwirkend ab Januar 2024 und künftig auch im neuen Tarifsystem TARDOC, das Anfang 2026 starten soll. Obwohl ursprünglich mehr gefordert wurde, gilt dies als wichtiger Erfolg und schafft vor allem mehr Rechtssicherheit.
Auch bei der Datenerhebung für künftige Tarife gibt es Fortschritte: Mit einem gemeinsamen «Letter of Intent» legen die kantonalen Ärztegesellschaften die Basis für einheitliche und von Versicherern anerkannte Daten. Zudem plant die AGZ weitere Schulungen zum neuen Tarifsystem, nachdem das Interesse an den Webinaren bereits 2025 gross war.
Abgerundet wurde der politische Teil durch Hinweise auf die Fortbildungsplattform «AGZ Collegium», die attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten bietet.
Insgesamt war die Mitgliederversammlung 2025 ein gelungener Mix aus Information, Inspiration und Austausch – und bestätigt ihre Rolle als wichtiger Treffpunkt der Zürcher Ärzteschaft.
Ersatzwahl von Dr. med. Bruno Köhler in den AGZ-Vorstand
Nach dem Ausscheiden Michael Andors aus dem Vorstand hatten Daniela Zeller die Funktion der Vizepräsidentin und The Phuoc Truong das Ressort Tarife übernommen. Infolge der damit zusammenhängenden Aufgabenumschichtungen wurde das Ressort eHealth/Digitalisierung frei. Auf die in der ZÄZ 3/2025 veröffentlichte Ausschreibung des freien Vorstandssitzes für diesen Aufgabenbereich hatten sich mit Florian Buck, Bruno Köhler und Daniel Schröpfer drei sehr erfahrene Standespolitiker mit gutem, einschlägigen Leistungsausweis beworben. Die Wahl fiel in der Delegiertenversammlung vom 17. November 2025 auf den in Mettmenstetten praktizierenden Hausarzt Bruno Köhler, der bereits in verschiedenen Bereichen und Funktionen Erfahrungen mit dem EPD und Digitalisierungsstrategien gewonnen und u.a. mit dem Kanton, dem BAG und der Stammgemeinschaft Post Sanela zusammengearbeitet hat. Tobias Burkhardt gratulierte dem neuen Vorstandsmitglied und sprach den beiden nicht gewählten Kandidaten seinen grossen Dank für Ihr Engagement und ihre Bewerbung aus.
Zwischen-Fazit Projekt Vereinbarkeit
Viele Ärztinnen und Ärzte verlassen ihren Beruf vorzeitig, häufig aufgrund unzureichender Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Dies stellt ein wachsendes Risiko für die medizinische Grundversorgung dar. Ein Projekt der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich (AGZ), unterstützt von der Fachstelle UND sowie dem Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung (EBG), setzt hier an und entwickelt praxisnahe Lösungen.
Eine vorgelagerte Umfrage zeigte deutlich den Handlungsbedarf: Rund 35 % der befragten Ärztinnen und Ärzte sind mit ihrer Work-Life-Balance unzufrieden. Besonders betroffen sind Alleinerziehende, Personen mit sehr hohen Arbeitspensen sowie Ärztinnen und Ärzte mit Pflegeverantwortung. Hauptbelastungsfaktoren sind lange Arbeitszeiten, häufige Überstunden ohne klare Regelung, zunehmender administrativer Aufwand sowie geringe Flexibilität bei Einsatzplanung und Arbeitszeiten. Auch lange Arbeitswege und die hohe Verantwortung, insbesondere in Einzelpraxen, tragen zur Belastung bei.
Gleichzeitig zeigt sich, dass flexible Arbeitsmodelle, Teilzeitarbeit und ein unterstützendes Arbeitsumfeld die Zufriedenheit deutlich verbessern können. Selbständig tätige Ärztinnen und Ärzte schätzen zwar ihre Autonomie, stehen jedoch unter wachsendem wirtschaftlichem Druck, was oft zu sehr langen Arbeitstagen führt.
Auch Arbeitgebende erkennen die Bedeutung guter Vereinbarkeitslösungen, etwa zur Steigerung von Motivation und zur Reduktion von Ausfällen. Sie sehen sich jedoch mit Herausforderungen konfrontiert, etwa bei der Organisation der Patientenversorgung oder bei zusätzlichen Kosten.
Das Projekt setzt auf konkrete Massnahmen: In Pilotbetrieben werden individuelle Verbesserungen erarbeitet, und für selbständige Ärztinnen und Ärzte werden Workshops zur Reflexion und Optimierung der eigenen Work-Life-Balance angeboten. Ziel ist es, die Attraktivität des Arztberufs zu steigern, die Gesundheit und Motivation der Beschäftigten zu fördern und langfristig die Patientenversorgung zu sichern. Die gewonnenen Erkenntnisse werden bis Herbst 2026 in einem praxisorientierten Leitfaden veröffentlicht.